Bio-Presshonig kaufen – worauf man wirklich achten sollte
Presshonig ist keine Massware – er ist ein Handwerksprodukt, das weltweit nur von einer kleinen Minderheit der Imkereien hergestellt wird. Wer ihn kaufen möchte, steht vor einem Problem: Das Wort „Presshonig" auf einem Etikett ist keine geschützte Bezeichnung. Es gibt keine gesetzlich definierten Mindeststandards dafür, was Presshonig zu sein hat – abgesehen von der allgemeinen Honigverordnung. Dieser Artikel erklärt, was die sieben entscheidenden Qualitätskriterien sind, woran man echten Bio-Presshonig von minderwertigem Pressvorgang-Honig unterscheidet – und warum wir bei Mitterer & Müller bei jedem davon den höchsten Standard setzen.
1 — Was Presshonig überhaupt ist – und was er nicht ist
Presshonig bedeutet im Kern: Die Honigwaben werden nicht geschleudert, sondern mechanisch ausgepresst. Der Honig läuft bei Raumtemperatur durch ein Sieb, ohne Zentrifugalkraft, ohne Erhitzung. Das ist der Kernunterschied zu 95 % des weltweit produzierten Honigs.
Was diese Methode qualitativ bedeutet: Presshonig enthält bis zu 5,6-fach mehr Pollen, vollständig aktive Enzyme (Glucoseoxidase, Diastase, Invertase) und alle hitzelabilen Polyphenole – weil er nie auf Temperaturen über Raumtemperatur gebracht wird. Das ist das theoretische Versprechen. Ob ein konkretes Produkt es hält, hängt von sieben Faktoren ab.
Warum „Presshonig" allein nichts garantiert
Der Begriff ist weder EU-rechtlich noch national als Qualitätsbegriff definiert. Ein Betrieb, der Waben bei 50 °C erwärmt, dann presst und das Ergebnis als „Presshonig" vermarktet, verstößt gegen keine Regel. Ein Betrieb, der Waben aus konventionellen Standorten mit Pestizidbelastung presst, tut das ebenfalls. Die Bezeichnung sagt nur etwas über die Extraktionsmethode, nicht über Herkunft, Temperatur, Zertifizierung oder Wachsqualität. Alle anderen Qualitätsmerkmale müssen separat geprüft werden.
2 — Die sieben Kaufkriterien für echten Bio-Presshonig
Kaltpressung ohne jede Wärmezufuhr
Das ist das Kernkriterium. Echter Presshonig wird bei Raumtemperatur gewonnen – die Waben werden gepresst, der Honig fließt durch ein Grobsieb, ohne je erhitzt zu werden. Jede Erwärmung über ~40 °C inaktiviert die Enzyme zunehmend. Fragt beim Anbieter konkret nach: „Wird der Honig während oder nach der Pressung irgendwann erhitzt?" Ein seriöser Imker antwortet sofort mit Nein und erklärt warum.
Bio-Zertifizierung mit Substanz – am besten Bio Austria
EU-Bio allein ist ein Mindeststandard. Bio Austria geht darüber hinaus: keine synthetischen Pestizide, keine chemische Varroabehandlung, jährliche Betriebsprüfung durch unabhängige Kontrollstelle, Standorte ausschließlich in überwiegend ökologisch bewirtschaftetem Umfeld. Warum das bei Presshonig besonders wichtig ist: Die gesamte Wabe wird ausgepresst – Wachs, Pollen, Propolis. Was die Bienen eingelagert haben, landet ungefiltert im Honig. Pestizide im Wachs gehen direkt ins Produkt.
Eindeutige, konkrete Herkunft
„Österreich" auf dem Etikett ist gut. „Nockberge, Kärnten – Bad Kleinkirchheim, Standorte 1.100–2.000 m Seehöhe" ist besser. Konkrete Herkunft macht Pollenanalysen möglich – ein unabhängiges Labor kann jederzeit verifizieren, ob der Honig tatsächlich aus den angegebenen Standorten stammt. Vage Herkunft ist ein Warnsignal, besonders im Kontext des europäischen Honigbetrugs.
Naturwabenbau – keine Mittelwände
Presshonig aus Naturwaben ist qualitativ überlegen gegenüber Presshonig aus Waben, die mit vorgefertigten Wachsmittelwänden ausgestattet wurden. Mittelwände können Verunreinigungen aus fremdem Wachs mitbringen – alte Rückstände, Varroabehandlungsreste. Naturwaben bauen die Bienen selbst, jedes Jahr neu, aus eigenem Wachs. Das Ergebnis ist chemisch unbelasteter und liefert einen Honig mit intensiverem Aromaprofil.
Keine Wanderimkerei, feste Standorte
Wanderimkerei – das Versetzen von Bienenvölkern zu verschiedenen Monokultur-Trachten – ist in der konventionellen Imkerei Standard. Für Presshonig, dessen Herkunft durch das Pollenspektrum eindeutig belegt werden soll, ist feste Standortimkerei essenziell. Nur wer seine Völker ganzjährig an denselben Standorten hält, kann garantieren, dass der Honig tatsächlich das Trachtgebiet widerspiegelt, das auf dem Etikett steht.
Überwinterung auf eigenem Honig
Imkereien, die ihre Völker nach der Ernte vollständig leer nehmen und mit Zuckerwasser ersetzen, produzieren günstigeren Honig – aber ihre Bienen sammeln im folgenden Jahr im schlechtesten Fall auf Residuen einer Zuckerfütterungsperiode. Betriebe, die einen ausreichenden Wintervorrat im Stock lassen und nur einmal jährlich ernten, produzieren gesündere Völker und qualitativ überlegenen Honig.
Direktvermarktung ohne Handelsstufen
Jede Handelsstufe zwischen Imker und Käufer ist ein potenzieller Punkt, an dem Honig gemischt, umgefüllt, falsch etikettiert oder nach langer Lagerung mit erhöhtem HMF-Wert verkauft werden kann. Presshonig direkt vom Imker – der Name und Betrieb bekannt, Standorte nachvollziehbar, Erntejahr transparent – ist die einzige Lieferkette ohne Lücken.
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3 — Was echten Presshonig im direkten Vergleich auszeichnet
Um die sieben Kriterien greifbar zu machen, hier ein ehrlicher Vergleich zwischen verschiedenen Qualitätsstufen, die am Markt verfügbar sind:
| Kriterium | Mitterer & Müller | Bio-Presshonig (Standardbetrieb) | Konventioneller Presshonig |
|---|---|---|---|
| Temperatur bei Pressung | Raumtemperatur, nie erhitzt | Meistens kalt, variiert | Oft erwärmt zur einfacheren Verarbeitung |
| Zertifizierung | Bio Austria + Slow Food | EU-Bio (Mindeststandard) | Keine oder freiwillig |
| Herkunft | Nockberge, Kärnten, konkrete Standorte | Österreich oder Region | Oft vage oder unbekannt |
| Naturwabenbau | Ja – keine Mittelwände | Selten | Nein |
| Wanderimkerei | Nein – feste Standorte | Teilweise | Häufig |
| Überwinterung | Auf eigenem Honig, keine Zuckerfütterung | Variiert, oft Zucker | Meist Zuckersirup |
| Direktvermarktung | Ja – kein Zwischenhändler | Teilweise | Meist Großhandel |
| Einmalige Jahresernte | Ja – vollverdeckelte Waben, Septemberernte | Selten | Nein – 2–3× jährlich |
Mitterer & Müller ist nach eigenen Angaben die einzige Imkerei in Österreich, die sich vollständig auf Bio-Presshonig spezialisiert hat. Das ist kein Marketingbegriff, sondern eine strukturelle Aussage: kein geschleuderter Honig, keine Produktlinie daneben, keine Kompromisse zugunsten höherer Ertragsmengen.
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4 — Woran man Presshonig am Produkt selbst erkennt
Wenn man ein Glas Presshonig in der Hand hält, gibt es einige direkt erkennbare Merkmale, die über die Qualität Aufschluss geben – ohne Labor.
- Natürliche Trübung: Echter Presshonig ist trüb bis opak – durch Pollen, feinste Wachspartikel und ungefilterte Bestandteile. Kristallklarer Honig wurde fein filtriert, was bei Presshonig sinnwidrig ist.
- Kristallisation – und wie sie sich anfühlt: Echter Honig kristallisiert mit der Zeit – das ist kein Fehler, sondern ein Qualitätsmerkmal. Der entscheidende Unterschied liegt aber in der Art der Kristallisation: Presshonig bleibt beim Kristallisieren cremig und streichbar – er lässt sich auch fest noch problemlos mit dem Löffel aus dem Glas nehmen. Industrieller Schleuderhonig dagegen wird oft so steinhart, dass man ihn ohne Erwärmen kaum aus dem Glas bekommt. Dieser Unterschied entsteht durch den höheren Wachs- und Pollenanteil im Presshonig, der eine feinkörnigere, weichere Kristallstruktur erzeugt. Honig, der nach Monaten noch perfekt flüssig und klar ist, wurde erhitzt oder feinfiltriert.
- Sichtbare Trübpartikel: Feine Pollen und winzige Wachspünktchen im Glas – das ist kein Fehler, sondern der Beweis, dass der Honig nicht ultrafein gefiltert wurde. Der Pollengehalt ist der wichtigste Qualitätsindikator für Presshonig.
- Komplexes Aroma: Presshonig riecht nach dem Ort, wo er gesammelt wurde – alpine Kräuter, Honigtau, Linde. Industriehonig riecht neutral-süß. Das Aroma ist nicht standardisierbar und nicht reproduzierbar durch Mischung.
- Erntejahr auf dem Etikett: Gute Imkereien deklarieren das Erntejahr. Frischer Honig hat einen HMF-Wert unter 5 mg/kg – je älter oder wärmer gelagert, desto höher. Ein Erntejahr ist Transparenz; sein Fehlen ist ein Warnsignal.
- Glasverpackung: Hochwertiger Presshonig wird in Glas abgefüllt – keine Aromamigration, keine Weichmacher, recycelbar. Plastikbehälter bei einem Premiumprodukt sind ein schlechtes Zeichen.
5 — Preise richtig einordnen: was Bio-Presshonig kosten darf und muss
Presshonig ist per Definition teurer als Schleuderhonig – weil die Waben nach dem Pressen zerstört sind, der Ertrag pro Volk deutlich niedriger ist und der Aufwand höher. Wer günstigen „Presshonig" findet, sollte hellhörig werden.
Orientierungspreise für Bio-Presshonig in Österreich (Direktvermarktung)
Unter 30 €/kg: Warnsignal – mögliche Kompromisse bei Zertifizierung, Herkunftsklarheit oder Verarbeitungstemperatur. 30–50 €/kg: Marktübliches Segment für Bio-Presshonig aus regionalen Imkereien. Qualität variiert stark je nach Betrieb. 50–70 €/kg: Premiumsegment – bei Bio Austria-Betrieben mit Naturwabenbau, Standortimkerei und einmaliger Jahresernte gerechtfertigt. Unser Presshonig liegt bei ~58 €/kg (230-g-Glas für € 13,50) – im oberen Mittelfeld, was den vollständigen Leistungsumfang widerspiegelt. Was Supermarkt-Honig im Vergleich kostet: 3–5 €/kg – das Zehnfache weniger, dafür mit den bekannten Qualitätsproblemen (75 % österreichischer Supermarktproben gepanscht, ORF-Konkret-Test 2024).
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6 — Warum Mitterer & Müller alle sieben Kriterien erfüllt
Wir stellen diese Kriterien nicht auf, um uns selbst daran zu messen – sie sind der Maßstab, den jeder Käufer an jeden Presshonig anlegen sollte. Aber wir sind der Überzeugung, dass wir bei jedem Punkt klar antworten können.
Kaltpressung ohne Wärmezufuhr: Die Waben werden bei Raumtemperatur durch Tücher gepresst, der Honig fließt ohne jeden Wärmeeintrag. HMF-Wert unter 5 mg/kg.
Bio Austria + Slow Food: Jährliche unabhängige Betriebsprüfung. Slow Food Österreich führt uns als Partner – das setzt Transparenz und handwerkliche Qualität voraus.
Konkrete Herkunft: Nockberge, Kärnten. Standorte in Bad Kleinkirchheim auf 1.100–2.000 m Seehöhe. UNESCO Biosphärenpark – lückenlos dokumentiert.
Naturwabenbau: Keine Mittelwände. Unsere Bienen bauen jede Wabe selbst, aus eigenem Wachs, jedes Jahr neu. Das entspricht der Methode der Zeidler – die älteste Imkereitradition Europas.
Keine Wanderimkerei: Alle Völker bleiben ganzjährig auf ihren Nockberge-Standorten. Keine Transportbelastung, kein wechselndes Trachtprofil.
Überwinterung auf eigenem Honig: Wir lassen den Bienenvölkern ihren Wintervorrat vollständig im Stock. Keine Zuckerfütterung, keine Substitution.
Direktvermarktung: Vom Bienenstock in den Versand. Kein Großhandel, kein Abfüller, keine anonyme Lieferkette.
Fazit: Presshonig kaufen ist einfach – echten Bio-Presshonig kaufen erfordert eine bewusste Entscheidung. Die sieben Kriterien in diesem Artikel sind kein Wunschzettel, sondern der Mindeststandard für ein Produkt, das sein Versprechen hält. Wer all das erfüllt findet, hat keinen günstigen Honig gefunden – er hat den richtigen Honig gefunden. Wir laden ein, uns an diesen sieben Punkten zu messen – bei jedem Kauf, bei jeder Rückfrage, jederzeit.
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