Was ist Presshonig? – Herstellung, Unterschied & warum er so selten ist

Was ist Presshonig? – Der Unterschied, der im Glas zählt

Presshonig ist die älteste und zugleich aufwändigste Art der Honigernte. Bevor die Honigschleuder im 19. Jahrhundert die Imkerei industrialisierte, wurde Honig ausschließlich gepresst oder aus der Wabe getropft. Was damals Notwendigkeit war, ist heute eine bewusste Entscheidung – mit messbaren Konsequenzen für Inhaltsstoffe, Enzymaktivität und Geschmack. Was Presshonig genau ist, wie er sich vom Schleuderhonig unterscheidet, und warum wir in unserer Imkerei im UNESCO Biosphärenpark Nockberge ausschließlich auf diese Methode setzen, erklären wir hier.


Was ist Presshonig – die Definition

Presshonig ist Honig, der durch mechanisches Auspressen ganzer Honigwaben gewonnen wird. Die verdeckelten Waben – also Waben, bei denen die Bienen den Honig durch eine dünne Wachsschicht versiegelt haben – werden aus den Rähmchen ausgeschnitten und ausgepresst. Der Honig fließt, Wachs, Pollen und feine Partikel bleiben größtenteils erhalten.

Laut EU-Honigverordnung darf Presshonig dabei auf maximal 45 °C erwärmt werden. Bei uns in der Imkerei Mitterer & Müller wird vollständig auf jede Erwärmung verzichtet – wir pressen kalt, direkt nach der Ernte, und füllen sofort ab. Das Ergebnis ist naturtrüb, enzymaktiv und enthält den vollen Wachsanteil der Naturwaben.

Unser Pressverfahren – Schritt für Schritt

1. Ernte: Einmal jährlich, wenn alle Waben vollständig verdeckelt sind – das bedeutet: der Honig ist vollreif, der Wassergehalt liegt unter 18 %. 2. Entdeckeln: Die Wachsdeckel werden handschriftlich abgetragen. 3. Pressen: Wabenstücke werden in Presstücher eingeschlagen und kalt ausgepresst – keine Wärme, keine Zentrifuge. 4. Sieben: Grobe Wachspartikel werden durch ein grobes Sieb entfernt, feine Wachsteilchen und Pollen bleiben im Honig. 5. Abfüllen: Direkt ins Glas, ohne Zwischenlagerung, ohne Filtration.


Presshonig vs. Schleuderhonig – was die Zahlen sagen

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Methoden liegt nicht in der Philosophie, sondern in der Chemie. Beim Schleudern werden die Waben in einer Zentrifuge mit hoher Drehzahl ausgeschleudert. Pollen, Propolis und Wachsanteile bleiben dabei größtenteils in den Zellwänden hängen. Beim Pressen werden sie mechanisch herausgedrückt und landen im Honig.

Merkmal Schleuderhonig Presshonig (Mitterer & Müller)
Pollengehalt Basiswert 5,6-fach höher
Enzymaktivität Reduziert durch Wärme & Luftkontakt Vollständig erhalten
Propolis-Spuren Keine / kaum Enthalten durch Pressvorgang
Mineralien Basiswert Höher (K, Ca, Mg, Na, Fe, Zn)
Oxidation Erhöht durch Schleuderkontakt mit Luft Reduziert – weniger Luftkontakt
Optik Klar bis leicht trüb Naturtrüb, cremig
Verarbeitung Oft erhitzt, feinfiltriert Kalt, ungefiltert, direkt abgefüllt
Wachsanteil Keine Feine Naturwachspartikel enthalten

Studien zufolge enthält Presshonig im Vergleich zu Schleuderhonig deutlich mehr Gesamtproteine, Flavonoide, Ascorbinsäure und Mineralien. Der Pollengehalt ist dabei rund 5,6-fach höher. Die Invertaseaktivität gilt laut dem Niedersächsischen Landesinstitut für Bienenkunde als direktes Maß für die Naturbelassenheit und schonende Verarbeitung eines Honigs. Was das für eure Gesundheit konkret bedeutet, erklären wir in den 5 wissenschaftlichen Gründen, warum Presshonig gesünder ist.

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Warum Enzyme der entscheidende Qualitätsindikator sind

Honig enthält drei besonders relevante Enzyme: Diastase, Invertase und Glucoseoxidase – alle drei werden von den Bienen über ihren Speichel in den Nektar eingetragen und sind direkte Indikatoren dafür, wie schonend ein Honig verarbeitet wurde.

Die drei Schlüsselenzyme und ihre Funktion

Diastase (Diastasezahl, DZ): Baut Stärke zu Malzzucker ab. Die EU-Honigverordnung schreibt eine Mindest-Diastasezahl von 8 DZ vor – ein Wert, der bei Wärmebehandlung rapide sinkt. Frischer, unerhitzter Honig liegt deutlich darüber. Die Diastasezahl ist der wichtigste gesetzliche Qualitätsparameter für Frische und Naturbelassenheit.

Invertase: Spaltet Saccharose in Fructose und Glucose und ist besonders hitzesensibel. Das Niedersächsische Landesinstitut für Bienenkunde bezeichnet die Invertaseaktivität als zuverlässigstes Maß für schonende Verarbeitung – schon kurze Erwärmung auf 45 °C reduziert sie messbar.

Glucoseoxidase: Das wichtigste Enzym für die antibakterielle Wirkung: Es wandelt Glucose in Gluconsäure um und setzt dabei kontinuierlich Wasserstoffperoxid frei – einen natürlichen Keimhemmer. Dieses Enzym ist besonders empfindlich gegenüber Wärme und Licht. In unserem Presshonig bleibt es vollständig aktiv.

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Was der höhere Pollengehalt konkret bedeutet

Pollen sind keine Begleiterscheinung – sie sind ein eigenständiger Nährstoffträger. Blütenpollen enthalten vollständige Proteine mit allen essenziellen Aminosäuren, B-Vitamine, Mineralstoffe und Flavonoide. Im Schleuderhonig verbleiben sie größtenteils in den Wabenzellen. Im Presshonig werden sie mechanisch herausgedrückt und gelangen in den Honig.

Für Menschen mit saisonalen Pollenallergien ist das besonders relevant: Mehrere Studien weisen darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von pollenhaltigem Honig aus der eigenen Region zu einer langsamen Desensibilisierung des Immunsystems beitragen kann. Eine 2010 durchgeführte Pilotstudie zeigte, dass dieser Effekt nur eintritt, wenn tatsächlich ausreichend Pollen im Honig enthalten sind – was beim Schleuderhonig in der Regel nicht der Fall ist.

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Propolis und Wachs – was sonst noch mitgepresst wird

Neben Pollen gelangen beim Pressvorgang zwei weitere wertvolle Bestandteile in den Honig, die im Schleuderhonig fehlen:

Propolis & Naturwachs im Presshonig

Propolis: Das Bienenharz, mit dem die Bienen ihren Stock abdichten und sterilisieren, enthält über 300 identifizierte Verbindungen – darunter Quercetin, Kaempferol, Pinocembrin und Kaffeesäureester. Es wirkt antibakteriell, antiviral und antifungal. Im Pressvorgang lösen sich feine Propolis-Anteile aus den Zellwänden in den Honig. Naturwachs: Unser Honig kommt aus Naturwaben – die Bienen bauen ihr Wachs selbst ohne Mittelwände. Dieses Wachs enthält ebenfalls Propolis-Anteile und wirkt in Synergie mit dem Honig antibakteriell. Die feinen Wachspartikel im Presshonig sind essbar und unverdaulich – sie verhalten sich im Körper ähnlich wie Ballaststoffe.

Wachs aus Naturwabenbau enthält höhere Propolis-Anteile als industrielles Wachs mit Mittelwänden. In Kombination mit Honig entwickeln Wachs und Honig eine stärkere antibakterielle Synergie als jeder Stoff für sich allein – ein Effekt, der in mehreren Laborstudien zur Honig-Wachs-Interaktion dokumentiert wurde.

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Warum Presshonig so selten ist

Der Pressvorgang ist deutlich zeitaufwändiger als das Schleudern. Dazu kommt, dass beim Pressen die Waben verbraucht werden – die Bienen müssen neues Wachs produzieren, bevor sie wieder Honig einlagern können. Für 1 kg Honigwachs benötigen Bienen rund 8 kg Honig als Energiequelle. Das macht Presshonig von Natur aus zu einem ressourcenintensiveren Produkt – und zu einem, das sich als Presshonig als heimisches Superfood von industriell verarbeitetem Honig klar abhebt.

Für uns ist das keine wirtschaftliche Kalkulation, sondern eine Entscheidung für die naturnahe Imkerei: Naturwabenbau bedeutet, dass unsere Bienen ihre Waben selbst bestimmen – Zellgröße, Wanddicke, Drohnenanteil. Das fördert die natürliche Vitalität der Völker und die Varroa-Resistenz durch Selektion.

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Fazit: Presshonig ist kein Marketingbegriff, sondern eine klar definierte Verarbeitungsmethode mit messbaren Unterschieden: 5,6-fach mehr Pollen, vollständig erhaltene Enzymaktivität, Propolis-Spuren und Naturwachspartikel – alles Eigenschaften, die beim Schleudern und Erhitzen verloren gehen. Unser Presshonig aus den Nockbergen verbindet diese Methode mit Bio Austria-Zertifizierung, Naturwabenbau und einer Ernte pro Jahr – auf 1.100 bis 2.000 Metern Höhe.

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* Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Angaben zu Studien beziehen sich auf zitierte Fachquellen. Honig ist für Kinder unter einem Jahr nicht geeignet.

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