Rohhonig – was steckt wirklich dahinter?

„Rohhonig" steht auf immer mehr Etiketten – in Bioläden, Onlineshops, auf Märkten. Der Begriff klingt nach Ursprünglichkeit, nach unbehandelter Natur, nach echtem Handwerk. Das Problem: er ist rechtlich nicht geschützt. Jeder Hersteller darf ihn verwenden – unabhängig davon was tatsächlich im Glas ist.

In diesem Artikel erklären wir was Rohhonig wirklich bedeuten sollte, wie er sich von normalem Supermarkt-Honig unterscheidet, warum der Begriff trotzdem nützlich ist – und wo er an seine Grenzen stößt.

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Rohhonig kaltgepresst – Bio-Presshonig aus dem Biosphärenpark Nockberge, Kärnten, Österreich
Rohhonig von der Quelle – Bio-Imkerei Mitterer & Müller im UNESCO Biosphärenpark Nockberge

Was Rohhonig bedeutet – und was nicht

In der Imkerei und in der Lebensmittelwissenschaft gibt es eine klare inhaltliche Definition: Rohhonig ist Honig der nicht erhitzt und nicht fein gefiltert wurde. Das bedeutet konkret: alle hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe – Enzyme, flüchtige Aromastoffe, sekundäre Pflanzenstoffe – bleiben vollständig erhalten. Ebenso Blütenpollen, Propolis-Spuren und natürliche Wachspartikel.

Entscheidend dabei ist ein Begriff der oft übersehen wird: Bioaktivität. Echter Rohhonig ist bioaktiv – das bedeutet seine Enzyme sind nicht nur vorhanden sondern tatsächlich funktionsfähig. Glucoseoxidase produziert aktiv Wasserstoffperoxid, Invertase spaltet Saccharose, Diastase baut Stärke ab. Diese enzymatische Aktivität ist messbar – und sie ist der eigentliche Unterschied zwischen rohem und verarbeitetem Honig. Ein Honig der zwar als „nicht erhitzt" vermarktet wird aber trotzdem zu warm gelagert oder zu lange transportiert wurde kann seine Bioaktivität verloren haben. Echter Rohhonig muss also nicht nur schonend gewonnen sondern auch schonend gelagert werden.

Normaler Supermarkt-Honig durchläuft dagegen mehrere Verarbeitungsschritte: Er wird auf 40–60 °C erhitzt um ihn flüssiger und haltbarer zu machen, anschließend fein- oder ultrafeingefiltert um ein klares, einheitliches Produkt zu erhalten. Das Resultat sieht gut aus – ist aber inhaltsstofftechnisch ein anderes Produkt.

Der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt. Es gibt keine EU-weite oder österreichische Definition von „Rohhonig". Ein Hersteller der seinen Honig auf 39 °C erhitzt und grob siebt kann ihn legal als Rohhonig bezeichnen – genauso wie einer der gar nicht erhitzt. Das macht eigenständige Qualitätskriterien und Transparenz über die Herstellung unersetzlich.

Was beim Erhitzen verloren geht

Hitze ist der entscheidende Faktor. Die wichtigsten Enzyme im Honig – Glucoseoxidase, Invertase und Diastase – sind thermolabil. Das bedeutet: ab etwa 40 °C beginnen sie sich zu zersetzen, ab 50 °C sind sie weitgehend inaktiv. Diese Enzyme sind nicht nur ein Qualitätsmerkmal – sie sind der Grund warum Honig überhaupt antibakteriell wirkt. Glucoseoxidase produziert Wasserstoffperoxid, das Keime abtötet. In erhitztem Honig fehlt diese Funktion weitgehend.

Gleichzeitig entsteht beim Erhitzen und bei langer Lagerung Hydroxymethylfurfural (HMF) – eine Verbindung die als Marker für Honigqualität gilt. Frischer, nicht erhitzter Honig hat einen HMF-Wert nahe null. Die EU erlaubt bis zu 40 mg/kg. Bio Austria schreibt maximal 15 mg/kg vor. Echter Rohhonig liegt deutlich darunter.

Auch Blütenpollen gehen durch Feinfiltration verloren. Pollen sind nicht nur ein Qualitätsmerkmal – sie sind der botanische Fingerabdruck eines Honigs. Anhand des Pollenspektrums lässt sich die Herkunft eines Honigs bestimmen. Ultrafeingefilterte Honige lassen sich nicht mehr rückverfolgbar zuordnen – was ein bekanntes Problem bei Honigfälschungen ist.

Rohhonig vs. normaler Honig – der direkte Vergleich

Merkmal Supermarkt-Honig Echter Rohhonig
Erhitzung 40–60 °C, oft höher Unter 40 °C oder gar nicht
Filtration Fein- oder Ultrafeinfiltration Nur grob gesiebt
Enzyme aktiv Stark reduziert Vollständig erhalten
Blütenpollen Weitgehend entfernt Vollständig enthalten
Propolis-Spuren Entfernt Enthalten
HMF-Wert Bis 40 mg/kg (EU-Norm) Unter 10 mg/kg
Trübung Klar durch Filtration Naturtrüb – Qualitätsmerkmal
Herkunft rückverfolgbar Oft nicht möglich Bis zum Bienenstock
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Wabenkontrolle vor der Ernte – nur vollständig verdeckelte Waben werden gepresst

Rohhonig kaufen – worauf man achten sollte

Da der Begriff nicht geschützt ist, braucht es andere Qualitätsindikatoren. Folgende Fragen helfen bei der Einschätzung:

Wird die Verarbeitungstemperatur angegeben? Seriöse Hersteller nennen konkret bei welcher Maximaltemperatur ihr Honig verarbeitet wird. „Unter 40 °C" ist aussagekräftig. „Schonend verarbeitet" ist es nicht.

Ist der Honig zertifiziert? Bio Austria schreibt strengere HMF-Grenzwerte vor als die EU-Norm und kontrolliert die Imkerei vor Ort. Das ist kein Ersatz für eine genaue Herstellungsbeschreibung – aber ein sinnvoller Mindeststandard.

Ist die Herkunft rückverfolgbar? Echter Rohhonig kommt von einem konkreten Imker, einem konkreten Standort, einer konkreten Ernte. „EU/Nicht-EU Mischung" auf dem Etikett ist das Gegenteil davon.

Ist der Honig naturtrüb? Naturtrübe ist kein Fehler – sie ist ein Zeichen dass nicht fein gefiltert wurde. Klarer, glänzender Honig wurde fast immer erhitzt oder feingefiltert.

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Innerhalb der Kategorie Rohhonig gibt es einen weiteren Unterschied: die Gewinnungsmethode. Beim klassischen Schleudern werden die Waben geöffnet und durch Zentrifugalkraft entleert. Dabei entsteht Reibungswärme – selbst ohne externe Erhitzung kann die Temperatur im Honig kurzzeitig ansteigen. Außerdem gehen beim Schleudern Wachspartikel, Propolis-Spuren und ein Teil der Pollen verloren.

Beim Kaltpressen werden ganze, verdeckelte Waben mechanisch ausgepresst. Der Honig fließt langsam, kalt und ungefiltert heraus – und nimmt dabei alles mit was sich in der Wabe befindet. Wachsanteile, Propolispartikel, den vollständigen Pollengehalt. Das Ergebnis ist inhaltsstofftechnisch der am wenigsten verarbeitete Honig der möglich ist.

„Presshonig ist nicht einfach eine andere Methode – er ist die ursprünglichste Form der Honiggewinnung, lange bevor die Honigschleuder 1865 erfunden wurde."
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Bienenstöcke im UNESCO Biosphärenpark Nockberge – Rohhonig Presshonig direkt vom Imker Österreich
Standorte zwischen 911 und 1.900 m Seehöhe – jede Sorte entsteht an einem anderen Standort

Unser Rohhonig – Presshonig aus dem Biosphärenpark Nockberge

Wir – Robin und Manuela Mitterer-Müller – sind die einzige Imkerei Österreichs die sich vollständig auf Presshonig spezialisiert hat. Unsere Bienenvölker stehen ganzjährig im UNESCO Biosphärenpark Nockberge in Kärnten, zwischen 911 und 1.900 m Seehöhe. Sie wandern nicht, werden nicht künstlich gefüttert und überwintern auf ihrem eigenen Honig.

Jede unserer fünf Sorten entsteht an einem anderen Standort, zu einer anderen Trachtsaison – und schmeckt entsprechend anders. Kein Jahr ist wie das andere. Das ist kein Marketingversprechen – es ist die direkte Konsequenz davon dass wir nichts mischen, nichts standardisieren und nichts erhitzen.

Unsere Qualitätsstandards Temperatur: Nie über 40 °C – von der Wabe bis ins Glas
Filtration: Nur grob gesiebt – naturtrüb
HMF-Wert: Weit unter Bio Austria-Grenzwert (15 mg/kg)
Zertifizierung: Bio Austria · Slow Food
Herkunft: UNESCO Biosphärenpark Nockberge · rückverfolgbar bis zum Bienenstock
Ernte: Einmal jährlich · begrenzte Menge

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Häufige Fragen zu Rohhonig

Ist Rohhonig gesünder als normaler Honig?

„Gesünder" ist eine medizinische Aussage die wir nicht treffen können und wollen. Was wir sagen können: Rohhonig enthält messbar mehr aktive Enzyme, mehr Pollen und mehr bioaktive Verbindungen als erhitzter und gefilterter Honig. Was das im Einzelfall für den eigenen Körper bedeutet ist individuell verschieden.

Warum kristallisiert Rohhonig schneller?

Kristallisation ist kein Qualitätsmangel – sie ist ein Zeichen von Naturbelassenheit. Erhitzter Honig bleibt länger flüssig weil die Kristallisationskeime durch Wärme zerstört werden. Rohhonig kristallisiert schneller weil Pollen und Wachspartikel als natürliche Kristallisationskeime wirken. Einmal kristallisierter Honig kann durch vorsichtiges Erwärmen im Wasserbad bei unter 40 °C wieder verflüssigt werden – ohne Qualitätsverlust.

Wie erkenne ich echten Rohhonig?

Naturtrübung, konkrete Herkunftsangabe, Nennung der Maximaltemperatur und rückverfolgbarer Imker sind die wichtigsten Signale. Ein Bio Austria Siegel ist ein sinnvoller Mindeststandard. Das Slow Food Siegel steht für handwerkliche Qualität und persönliche Überprüfung vor Ort.

Kann Rohhonig schlecht werden?

Honig mit einem Wassergehalt unter 18 % ist praktisch unbegrenzt haltbar – seine natürliche Glucoseoxidase produziert kontinuierlich Wasserstoffperoxid das Keimwachstum verhindert. Wichtig: trocken und lichtgeschützt lagern, keinen nassen Löffel verwenden.


Den Unterschied selbst schmecken.

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Fragen? Wir antworten persönlich.

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Manuela & Robin 
Mitterer & Müller | Feine BioHonige
Bio-Bergimkerei im UNESCO Biosphärenpark Nockberge
Kärnten · Österreich

PRESSHONIG - KALT GEPRESST. ROH. BIOAKTIV.

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