Presshonig und Nachhaltigkeit – was wirklich im Honigglas steckt
Österreich konsumiert jährlich rund 9.500 Tonnen Honig. Mehr als die Hälfte davon ist importiert – und ein ORF-Test von Ende 2024 zeigte: 23 von 31 Honigproben aus österreichischen Supermärkten waren mit Zuckersirup gestreckt und entsprachen damit nicht den gesetzlichen Anforderungen für echten Honig. Nachhaltigkeit beim Honig bedeutet deshalb mehr als Biozertifizierung. Sie beginnt bei der Frage: Woher kommt der Honig überhaupt, und was ist wirklich drin? Wir erklären, warum Presshonig aus regionaler Bio-Imkerei die einzige Antwort ist, die alle diese Fragen gleichzeitig beantwortet.
1 — Der Honig-Markt in Zahlen: was im Supermarkt wirklich verkauft wird
Honig ist eines der am häufigsten gefälschten Lebensmittel Europas. Nicht wegen krimineller Energie einzelner Akteure, sondern wegen einer Marktstruktur, die Fälschungen systematisch begünstigt: Der EU-Markt importiert jährlich über 163.000 Tonnen Honig aus Drittstaaten, davon allein 37 % aus China. Günstiger Importhonig konkurriert mit heimischen Imkerprodukten, die in der Produktion schlicht teurer sind – weil echte Bienen echten Aufwand erfordern.
75 %
der getesteten Supermarkt-Honige in Österreich waren laut ORF-Konkret-Test 2024 gepanscht
46 %
der EU-Grenzproben von Importhonig entsprachen laut EU-Studie „From the Hives" nicht der Honigrichtlinie
74 %
der chinesischen Honigproben enthielten laut EU-Kommission nachweislich Fremdzucker
100 %
der getesteten österreichischen Herkunftshonige wurden von der oö. Lebensmittelaufsicht als einwandfrei eingestuft
Was „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern" auf dem Etikett bedeutet
Diese Angabe, die auf einem Großteil der Supermarkt-Honiggläser steht, verpflichtet den Hersteller bis zur Umsetzung der neuen EU-Frühstücksrichtlinie (ab Jänner 2025 schrittweise) zu keinerlei Auskunft über konkrete Herkunftsländer oder Anteile. Der Honig kann zu nahezu 100 % aus einem einzigen Land stammen – ohne dass dies erkennbar wäre. Aus diesem Grund ist der Hinweis auf konkrete Herkunft, wie „Bio Austria – Nockberge, Kärnten", kein Marketing, sondern die einzige verlässliche Qualitätsaussage.
Honigfälschungen sind inzwischen so raffiniert geworden, dass sie standardisierte EU-Tests bestehen können. Laut Greenpeace-Vertreter Sebastian Theissing-Matei sind spezialisierte DNA-Tests das einzige zuverlässige Nachweisverfahren. Der ORF-Test 2024 verwendete erstmals diese Methode systematisch – mit dem bekannten Ergebnis.
2 — Was Nachhaltigkeit bei Honig wirklich bedeutet
Wenn der Begriff Nachhaltigkeit auf Lebensmittelverpackungen steht, meint er meist CO₂-Bilanzen und Verpackungsmaterial. Beim Honig ist das zu kurz gedacht. Nachhaltigkeit beginnt beim Bienenvolk selbst: bei der Frage, ob die Bienen gesund genug sind, um ohne chemische Behandlungen auszukommen. Ob der Standort pestizidfreie Tracht bietet. Ob die Völker im Winter ohne Zuckerfütterung überwintern können. Und ob das Produkt, das am Ende im Glas landet, wirklich das ist, was die Etikette verspricht.
Bienengesundheit als Fundament
Gesunde Bienenvölker brauchen keine Akarizide. Unsere Varroa-resistenten Linien überwintern auf eigenem Honig – kein Zucker, keine Chemie. Das ist die Basis jeder echten Nachhaltigkeit.
Pestizidfreie Tracht im Biosphärenpark
Der UNESCO Biosphärenpark Nockberge garantiert chemiefreie Zonen. Unsere Bienen sammeln ausschließlich auf unbelasteter Alm- und Waldflora zwischen 1.100 und 2.000 m Seehöhe.
Keine Wanderimkerei
Unsere Völker bleiben ganzjährig auf festen Standorten. Kein Transportstress, keine wechselnden Trachtquellen. Das schont die Bienen und sichert die Qualität des Honigs.
Naturwabenbau ohne Mittelwände
Jährlich neue Waben bedeuten: kein Rückstandsaufbau im Wachs, kein Fremdzusatz, unverfälschter Honig. Diese Methode ist so alt wie die Imkerei selbst.
Kurze Lieferketten
Vom Bienenstock direkt in den Versand: keine Zwischenhändler, keine Mischwerke, kein „Abfüller in Österreich" für Honig aus China. Was im Glas steht, ist was drin ist.
Bio Austria – mehr als ein Logo
Bio Austria ist der strengste heimische Bioanbauverband mit eigenen Kontrollrichtlinien über gesetzliche Mindeststandards hinaus. Jährliche Betriebsprüfung, lückenlose Rückverfolgbarkeit.
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3 — Warum der Preis des günstigen Honigs woanders bezahlt wird
Ein 500-g-Glas Importhonig im Supermarkt kostet oft weniger als 3 Euro. Ein 230-g-Glas unseres Bio-Presshonigs kostet 13,50 Euro. Diese Differenz ist kein Aufpreis für Marketing – sie ist ein Spiegel der realen Produktionskosten.
Presshonig lässt sich nicht industriell skalieren. Die Waben werden durch das Pressen zerstört und jährlich neu aufgebaut, was den Ertrag pro Volk deutlich unter dem eines schleudernden Betriebs hält. Die Standorte im Biosphärenpark erfordern manuelle Arbeit, keine Wanderimkerei, keine Massenbestockung. Bio Austria-Zertifizierung bedeutet jährliche Kontrolle und dokumentierte Betriebsführung. Was die Herstellung im Detail bedeutet, erklären wir im Artikel über Presshonig und seine Gewinnung.
Was der Preis von 13,50 € tatsächlich finanziert
Artgerechte Bienenhaltung: Völker auf festen Standorten, kein Zuckerfüttern, keine Chemie. Naturwabenbau: Jährlich neue Waben, Mehraufwand der Bienen kompensiert durch geringere Ertragsmengen. Bio Austria-Kontrolle: Jährliche Betriebsprüfung, lückenlose Dokumentation. Handwerkliches Pressen: Kein Schleuderaggregat, kein Heizen, kein Feinfilter – dafür voller Pollengehalt und vollständige Enzymaktivität. Direkte Vermarktung: Kein Großhandel, keine Zwischenmarge. Das Geld geht zu 100 % an den Imker.
Heimischer Imkerhonig deckt laut Verbraucherzentrale nur rund 30 % des deutschen Bedarfs – in Österreich ist es ähnlich. Der Rest wird importiert, wobei bei knapp der Hälfte der getesteten EU-Grenzproben Auffälligkeiten festgestellt wurden. Die Preisdifferenz zwischen Importhonig und regionalem Imkerhonig erklärt sich nicht durch überteuertes Marketing, sondern durch die realen Produktionskosten ehrlicher Imkerei.
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4 — Bienen als Ökosystemleistung: was auf dem Spiel steht
Hinter der Kaufentscheidung für regionalen Honig steckt mehr als Konsumentenschutz. Bienen bestäuben rund 80 % aller heimischen Wild- und Nutzpflanzen. Ohne Honigbienen und Wildbienen kollabiert ein Großteil der landwirtschaftlichen Produktion – und mit ihr die Artenvielfalt in Wiesen und Wäldern. Die Frage, welchen Honig man kauft, ist deshalb auch eine Frage darüber, welche Imkerei man wirtschaftlich trägt.
Industrielle Massenimkerei mit Wanderbeständen, chemischer Varroabehandlung und Zuckerfütterung produziert günstigeren Honig – aber sie setzt andere Anreize: hoher Ertrag statt Bienengesundheit, Skalierung statt Standortpflege. Kleine Bio-Imkereien wie unsere sind auf das direkte Käufer-Imker-Verhältnis angewiesen. Welche Rolle die Biodiversität der Nockberge dabei spielt, erklären wir im Biodiversitäts-Artikel.
Was jeder Kauf bei Mitterer & Müller konkret bewirkt
Erhalt von Almwiesen: Unsere Trachflächen im Biosphärenpark werden durch imkerliche Nutzung und bäuerliche Almwirtschaft offengehalten – ein direkter Beitrag zur Artenvielfalt. Stärkung regionaler Kreisläufe: Jeder Euro bleibt in der Region, finanziert Imkerarbeit in Kärnten und stärkt das Nockberge-Ökosystem. Kein Pestiziddruck: Bio Austria schließt synthetische Pflanzenschutzmittel im gesamten Betrieb aus – kein Restrisiko durch Trachtkontamination. Keine Zuckerfütterung: Unsere Völker überwintern ausschließlich auf eigenem Honig – das stärkt ihre natürliche Immunabwehr und sichert die Honigqualität.
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5 — Die Checkliste: wie man sicheren Honig erkennt
Nach dem ORF-Skandal 2024 haben viele Konsumentinnen und Konsumenten das Vertrauen in Supermarkt-Honig verloren. Zurecht. Hier ist, worauf man achten sollte – und was unseren Presshonig dabei eindeutig qualifiziert.
- Eindeutige Herkunftsangabe: Nicht „EU und Nicht-EU-Länder", sondern konkret: Nockberge, Kärnten, Österreich.
- Direktvermarktung: Honig direkt vom Imker – kein Großhändler, kein Abfüller, keine Anonymität in der Lieferkette.
- Bio-Zertifizierung mit Substanz: Bio Austria geht über EU-Bio-Mindeststandards hinaus – jährliche Betriebsprüfung, keine synthetischen Inputs.
- Ungefiltert und kalt gepresst: Presshonig enthält nachweislich mehr Pollen und Enzyme als gefilterter und erhitzter Schleuderhonig – beides sind Indikatoren für Echtheit.
- Erkennbare Inhaltsstoffe: Kristallisation, Pollenkörner im Glas, standorttypisches Aroma – das sind Zeichen echter Bienenarbeit, keine Fehler.
- Kein Preisdumping: Echter Bio-Imkerhonig aus Handwerksbetrieben kostet. Unter 6–8 €/100 g für österreichischen Biohonig sollte man hellhörig werden.
- Transparente Kommunikation: Imker, die offen über ihre Methoden sprechen – Standorte, Überwinterung, Varroamanagement –, haben nichts zu verstecken.
Fazit: Bewusster Konsum bei Honig bedeutet: Herkunft kennen, Methode verstehen, Preis einordnen. Der ORF-Test 2024 hat gezeigt, dass drei Viertel der Supermarkt-Honige in Österreich nicht das sind, was das Etikett verspricht. Presshonig aus einer Bio Austria-zertifizierten Nockberge-Imkerei ist die strukturelle Antwort auf dieses Problem: lückenlose Rückverfolgbarkeit, maximale Transparenz, echte Bienenarbeit – und ein Honig, der biochemisch das hält, was er verspricht. Was Presshonig inhaltsstofflich von Schleuderhonig unterscheidet, haben wir im direkten Vergleich zusammengefasst.
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Transparenz statt Anonymität. Echter Honig statt Zuckersirup.
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* Alle Zahlen zu Importhonig-Verfälschungen basieren auf der EU-Kommissionsstudie „From the Hives" (2021–2022), dem ORF-Konkret-Test (Dezember 2024) sowie Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen und der oberösterreichischen Lebensmittelaufsicht. Honig ist für Kinder unter einem Jahr nicht geeignet.